Eine Ode an die Volkswirtschaft…

Meine Stammkneipe ist, fast schon immer, seit ich in Frankfurt wohne, die Volkswirtschaft in Bockenheim an der Ecke Jordan- und Kiesstraße. Es ist eine „ehrliche“ Kneipe, die für jeden das Potential zur Stammkneipe besitzt – was nicht nur ihre Lage an einer Straßenecke, sondern vor allem ihr Herz ausmacht. Das Herz der Volkswirtschaft sind vor allem die Menschen vor und hinter der Theke, die Mischung als Alt und Jung, Bockenheimer*innen und Menschen, die schon seit Jahren den Weg aus anderen Stadtteilen auf sich nehmen, um die Volkswirtschaft zu besuchen. Am besten sieht die Kneipe zwar im Schummerlicht und abends aus, aber wer die Emotionen beim Fußball, vor allem bei unserer geliebten Eintracht, erlebt hat oder mal um halb sieben abends im Sommergarten saß, wenn die Sonne gerade „rumkommt“, der oder die weiß, wovon ich spreche. Bier und Äppler schmecken übrigens sommers wie winters und früh oder spät am Abend immer.

An manchen Abenden denke ich dann an meinen ersten Besuch in der Volkswirtschaft – kurz Vowi genannt. Es war Ende 1999 als sich im Gespräch mit einigen meiner Kommiliton*innen, herausstellte, dass ich die „berühmte Bockenheimer Kneipe“ nicht kannte. Nachdem sich die erste Entrüstung gelegt hatte, verabredete man sich dort zum Doppelkopfspielen und so stand mein erster Besuch in det Vowi an. Leider zeichnet sich dieser erste legendäre Abend in der Kneipe, die dann recht schnell meine Stammkneipe werden sollte, vor allem dadurch aus, dass der Abend schließlich ganz woanders endete. In der Vowi waren alle Plätze besetzt und wir mussten in einer anderen Eckkneipe schräg gegenüber ausweichen. So war der erste Abend, den ich in der Vowi verbrachte, der 2.12.1999, schließlich ein Abend im Tannenbaum. Beide Kneipen gehören zu den „Urgesteinen“ in Bockenheim und wer in Frankfurt studiert hat, hat – so wird gemunkelt – ab und an mehr Zeit in einem der beiden Lokale als in den Vorlesungen und Seminaren verbracht. So hängen an beiden Orten viele Erinnerungen und und wer die Bockenheimer Runde plant, kommt um ihren Besuch nicht herum.

Ich selbst habe immer mehr mit der Vowi sympathisiert, liegt vielleicht auch daran, dass ich ab den 2000ern – mit Unterbrechungen – sieben Jahre nicht nur als Gast, sondern auch als Thekenkraft dort gewesen bin. Seither war die Vowi dann mehr als die studentische Stammkneipe und willkommene Abwechslung zum Unialltag, sie wurde mein Arbeitsplatz und auch der Ort, der mich viel über Menschen aller Art gelehrt hat. Denn wie Christoph Schröder sinnigerweiße in seinem Artikel über Adam Seides Kneipenroman schreibt, ist in der Kneipe „jeder sowohl nah bei sich selbst als auch nah bei denen, die immer da sind.“ Man lernt Menschen in einer Kneipe noch einmal ganz anders kennen und wenn man zum Teil bis in die frühen Morgestunden ihren Sorgen, Freuden und Geschichten gelauscht hat, hat man so oder so etwas für Leben gelernt. Und es ist sowieso nie abträglich, wenn man Pommes und Schnitzel frittieren oder ein gutes Pils zapfen kann. Es waren schöne Jahre mit vielen Begegnungen und Erlebnissen, die Bücher füllen könnten. Es waren unvergessliche Schichten mit Fopper, der mich gelehrt hat die Küche richtig (!) zu putzen; oder Donnerstagsdienste mit Vera, meiner liebsten Mitstreiterin, oder Erst- und Zweitschichten mit Karsten, Micha, Christian, Daniel, Armin und Beate. Es waren unzählige Gespräche – teilweise bis in die frühen Morgenstunden – mit den Messeaufbauern, Franz, Andi, Peter, Markus, Stefan und noch so vielen anderen. Es waren unvergessene Fußballspiele und Abende mit Leander, Judith, Niko, Nadja, Katti – um nur einige Personen zu nennen. Unvergessen sind auch die Feste, die ich in der Volkswirtschaft feiern durfte, ob 30. Geburstag oder Hochzeitsparty… die Vowi war immer mit dabei.

Warum schreibe ich aber eigentlich diesen Beitrag? Am 1.2.2017 ist die Volkswirtschaft 20 Jahre geworden – ein Grund, um kurz innezuhalten und die letzten Jahre unserer gemeinsamen Geschichte Revue passieren zu lassen. Meine Freund*innen und ich sind mit der Kneipe älter, aber nicht alt, und möglicherweise reifer geworden. Es ist schön zu sehen, dass der gefürchtete Uniumzug nicht zu langfristige Auswirkungen gehabt hat und dass immer neue Generationen an Gästen nachwachsen, die dann hoffentlich in 20 Jahren auch einen Beitrag über „ihre“ Stammkneipe schreiben.Die Frankfurter Rundschau hat die Intention der Besitzer*innen der Vowi – Karsten und Beate – in ihrem heutigen Beitrag zum 20-jährigen Jubiläum schön wiedergegeben: die Kneipe solle „zeitlos“ und ein Ruhepol sein. In diesem Sinne: Danke, Vowi für die 20 Jahre und auf die nächsten! Auf dass Du bleibst, was Du in den letzten Jahren warst: meine Stammkneipe, mein zweites Wohnzimmer, mein Stück „Nach-Hause-Kommen“…

 

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