David Bowie (und ich)

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Aus gegebenem und traurigem Anlass, dem Tod von David Bowie am 10. Januar 2016, habe ich beschlossen, den Artikel zur Bowie-Ausstellung in 2014 in Berlin noch einmal etwas zu ergänzen. Ich war wirklich schockiert, als im am Morgen des 11. Januar die Todesmeldung Bowies in den sozialen Medien gesehen habe, hatte ich freitags davor anlässlich seines 69. Geburtstags und als Intro für den Mädelsabend das Motto „Let´s Dance“ ausgerufen. Der Montag sollte eigentlich ein guter Tag werden, da ich zum Aufstehen und mit Schmunzeln den Kommentar der ZEIT zur Reunion von Guns n´Roses, gelesen habe. Da freut man sich über die Wiedervereinigung einer Band, an die man aufgrund einer Jugendliebe geraten und aus nostalgischen Gründen hängen geblieben ist, im Angesicht des Ablebens einer wahren Musikerlegende… Ab dem Moment war der gestrige Tag ein trauriger Tag. Er war bei unzähligen Freund*innen und mir selbst einerseits geprägt vom Sich-Versenken in die Songs des wandelbaren Genies, des Starman und des unnachahmlichen Künstlers David Bowie und andererseits vom Lesen der Reaktionen und Beiträge im Internet. Die unzähligen Beileidsbekundungen auf der ganzen Welt und von Bowies Wegbegleiter*innen und Kolleg*innen, z.B. hier ein paar gesammelt von BBC, waren emotional und ergreifend, aber auch tröstlich. Waren sich doch alle im Grunde einig: David Bowie war ein brillanter Musiker und Künstler. Er hat unsere Welt bereichert. Er hat uns immer wieder gefordert und überrascht. Er war der Meister der Veränderung und so facettenreich wie wenige andere Künstler dieser Zeit. Und er war ein Star – im wahrsten Sinne des Wortes – er scheint und lebt weiter in seiner Musik.
Daher im Folgenden ein paar Facetten von David Bowie, wie sie die Ausstellung in Berlin gezeigt hat, und als kleines Fazit vorab: einer meiner Lieblingssongs (der auch irgendwie zum Weltgeschehen passt) – gesungen von gleich zwei Legenden: „Why can’t we give love, give love, give love, give love, give love, give love, give love, give love, give love.“ GIVE LOVE!

DAVID BOWIE (und ich) IN BERLIN

INTRO
Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass ich den ganzen Sommer über nichts geschrieben habe und der letzte Eintrag aus dem März diesen Jahres ist. Da wird einem erst richtig bewußt, was es bedeutet, wenn „die Zeit rennt“. Sicher habe ich auch in den vergangenen Wochen viel erlebt und gesehen, es fehlt einzig an der Ruhe und Muse, um zu schreiben… Nun, da aber die Veranstaltungen des Jubiläumssommers an der Goethe-Uni vorbei sind, ist wieder Zeit da, um von besuchten Veranstaltungen und Ausstellungen zu berichten oder gehaltene Vorträgen zu dokumentieren.

MAL WIEDER IN BERLIN
Im Juni führte mich mein Weg mal wieder in die Hauptstadt. Das Hauptaugenmerk dieses Ausflugs lag eigentlich auf dem Besuch des Pearl-Jam-Konzerts und die damit zusammenhängende Rückkehr in Teenager-Zeiten sowie in das Verliebtsein in Eddie Vedder. Auf Platz zwei der „To-Do-Liste“ für Berlin stand selbstverständlich „David Bowie“! Nachdem ich die Ausstellung in London im letzten Jahr knapp verpasst hatte, war der Besuch des Martin-Gropius-Baus und der Ausstellung zu „David Bowie“ Pflicht. Noch bevor ich überhaupt in Berlin angekommen war, schaute ich mir als Vorbereitung den Ausstellungstrailer an, der mit schnellen Schnitten und scheinbar „intimen“ Einblicken die Schau bewirbt:

Vorab sei schon einmal betont: Die Ausstellung hat mich nachhaltig beeindruckt und wer in den nächsten Wochen, genauer gesagt bis zum 25. August 2014, noch nach Berlin kommt, sollte sich diese Ausstellung unbedingt anschauen. Allerdings – dies auch als Ratschlag vorab – sollte man sich für den entspannteren Besuch im Internet ein Exklusiv-Ticket sichern. Dieses ist mit 25 Euro nicht gerade günstig, aber erlaubt einem den Einlass, ohne sich an bestimmte Einlass- oder Wartezeiten halten zu müssen.

DAVID BOWIE-AUSSTELLUNG IN BERLIN
David Bowie, geboren als David Robert Jones in London, wird als einer der größten (Musik-)Künstler unserer Zeit eine Retrospektive gewidmet, die ihresgleichen sucht. Es kommt zum einen sehr selten vor, dass ein noch lebender und nicht-bildender Künstler in einer eigenen Schau präsentiert wird und zum anderen ist die Ausstellung voller „auratischer“ Originalexponate, raffinierter medialer Vermittlung und schicker Ausstattung, so dass der einem der Begriff „Blockbuster“ sofort in den Sinn kommt. David Bowie ist selbstverständlich mehr als ein Musiker, er ist ein ganz eigenes Phänomen. Oder wie es auf der Webseite zur Ausstellung so treffend heißt: Diese zeichnet „die Karriere des Ausnahmekünstlers nach, erkundet seinen kreativen Schaffensprozess als musikalischer Performer und Kultur-Ikone und veranschaulicht seine facettenreichen Stilveränderungen und Neuerfindungen.“ Hier wird schön zusammengefasst, wie Bowie – oder auch das Lebensgefühl „Bowie“ – in der Ausstellung präsentiert wird. Seine Anfänge als Musiker, sein Aufstieg als Performer, der Höhepunkt seines Schaffens mit der Kreation verschiedener Welten, Identitäten und Mythen, dann seine „Ruhepause“ in Berlin, sein Sich-Wiederfinden und der Wiederaufstieg bis hin zu seiner jetzigen Position als Ausnahmekünstler.

Wie bereits angedeutet ist auch die Ausstellung einzigartig. Sie bringt den Besucher_innen die Möglichkeit, mit allen Sinnen wahrzunehmen, dabei ist sie zugleich nicht nur Inszenierung, sondern auch inhaltlich gut aufbereitet. Der Ausstellungsdurchgang ist chronologisch angeordnet und vollzieht David Bowies Karriere von den Anfängen bis heute nach. An verschiedenen Stellen gibt es aber eine Häufung an Informationen, die parallel aufeinander bezogen werden, so beispielsweise historische und politische Ereignisse sowie deren Einfluß auf Bowies Wahrnehmung und künstlerische Umsetzung. Hier findet sich dann ein Konglomerat von Objekten zu einem Thema, deren Heterogenität und Anordnung auf den ersten Blick chaotisch erscheinen. Doch ist dieses Chaos nicht störend, sondern viel eher bereichernd. Die einzelnen Informationen wieder auseinander zu dividieren braucht zwar Zeit, aber ist man erst einmal in die Welt von Bowie eingetaucht, spielt es keine Rolle, wie lange der Ausstellungsbesuch dauert. Die faszinierenden bunten Bilder, die schillernden Kostüme, das Blinken der Videos und die Gedanken des „Genies“ in seinen Briefe und Notizen ziehen einen in den größtenteils dunkel gehaltenen Ausstellungsräumen völlig in den Bann.

Zum Gefühl des Absorbiertseins trägt auch ein besonderes Highlight der Ausstellung bei: die mediale Vermittlung, die einem bei einer Präsentation eines Musikers selbstverständlich erscheint. Im Fall der Schau zu David Bowie ist diese allerdings auf den Ausstellungsdurchgang abgestimmt. Gleich beim Betreten der Ausstellung erhält man seinen Audioguide, auf dem neben Songs auch Interviews, Kommentare und Erzählungen von Bowie selbst oder seiner Weggefährt_innen zu hören ist. Der Guide ist ein audiovisueller Hochgenuss, denn die Musik unterstreicht nicht nur den Gang durch die Ausstellung mit entsprechenden Hörbeispielen, sondern begleitet einen im wahrsten Sinne des Wortes lautmalerisch durch die Ausstellung. Betritt man einen Bereich der Ausstellung, der ein neues Thema aufgreift, oder den nächsten Raum, wechselt automatisch die Hintergrundmusik und macht den Besuch auch akustisch zu einem wirklich unvergesslichen Erlebnis.

Leider durfte man in der Ausstellung nicht fotografieren, dennoch werde ich versuchen zwei Ausstellungsthemen kurz zu umreißen, die mich persönlich am meisten beeindruckt haben.

HEROES – BOWIE UND DIE HAUPSTRASSE 155
David Bowie war dem Glamour Hollywoods und der damit zusammenhängenden Exzesse überdrüssig und beschloss einen neuen Lebensabschnitt in Europa und zwar genauer gesagt in Berlin zu beginnen. Ab 1976 lebte er in der Hauptstraße 155 in Schöneberg – ein Haus, das bis heute noch unverändert steht und dessen Schlüssel auch in der Ausstellung zu gezeigt wird. Bowies Berliner Zeit ist – laut der retrospektiven Schau fast 40 Jahre später – vor allem geprägt durch drei Alben, die in dieser Zeit entstanden sind und die obwohl experimentell zu den besten seines Schaffens gehören. Die so genannte Berlin-Trilogie umfasst die Alben „Low“, „Heroes“ und als letztes „Lodger“. „Heroes“ – so heißt auch der Titelsong des Albums – kannte ich natürlich schon, aber die Ausstellung lieferte mir nun den Grund, woher ich die Musik kannte: Das (Liebes-)Lied spielt in seiner deutschen Version eine bedeutende Rolle im Film „Christiane F.- Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, zu dem Bowie den gesamten Soundtrack lieferte und in dem er auch einen Cameo-Auftritt hatte. So hatte ich Bowie also schon wahrgenommen, bevor ich einen eigenen Musikgeschmack entwickelt habe, nämlich in dem Moment, als ich den Film das erste Mal sah. Diese Erkenntnis war mein persönliches Highlight in dem Ausstellungsbereich, der sich mit Bowie in Berlin auseinandersetzt. Hier sind sicher zur Londoner Version der Ausstellung noch einige Bezüge dazugekommen und man spürt überall die enge Verbundenheit Bowies mit der Stadt, die wohl bis heute andauert. So hat er Berlin auch auf seinem neuesten Album mit „Where are we now“ einen eigenen Song gewidmet…

RED SHOES – BOWIE UND DIE MODE
Viel mehr als die meisten anderen Künstler_innen ist David Bowie auch ein bedeutende Fashion-Ikone. Natürlich ist die Bindung von Stars und Mode oft eng – sonst hätten sicher nicht so viele ihre eigene Modelinie oder wären das Testimonial eines Modehauses. Auch wird der Style vieler Berühmtheiten nicht umsonst in Modezeitschriften rauf und unter diskutiert, dennoch ist Bowie in der Erschaffung eigener Modewelten eine Ausnahme. Er spielte und spielt mit Kleidung, Verkleidung, Geschlechtern und Identitäten. Er arbeitete mit unbekannten Designern aus Mode, aber auch aus dem Theater zusammen und machte diese damit berühmt. Viele kennen selbstverständlich die Glam-König_in Ziggy Stardust, oder Bowie im Pierrot-Kostüm aus „Ashes to Ashes“, aber in Berlin werden fast alle Bühnenoutfits und die Kreationen für seine Musikvideos gezeigt. Dies macht zum einen Bowies Verständnis für Mode und zum anderen sein Gespür für zukünftige und dabei zeitlose Trends ganz deutlich. Besonders beeindruckend war für mich die schlichte Strenge des schwarz-weißen „Thin White Duke“ als Rückgriff auf die 20er Jahren oder die Nähe zur asiatischen Kultur, wie ihn der vom japanischen Designer Yamamoto entworfene und mit Kanji-Zeichen versehene Umhang Bowies zeigt. Ganz zu schweigen vom berühmten Union-Jack-Mantel von Bowie und Alexander McQueen, den die Ausstellung im Original zeigt und der eine Hommage an die Punk-Ästhetik ist. Wer also neben dem Musiker und der Pop-Ikone auch das (Mode-)Phänomen Bowie kennenlernen möchte, findet viele neue Erkenntnisse im Besuch der inspirierenden Berliner Ausstellung.

FAZIT
Auch Besucher_innen wie ich selbst, die keine eingefleischten Bowie-Fans sind, kommen bei dem Feuerwerk an Farben, Kostümen, Mode, Inszenierungen, aber auch medialer Vermittlung voll auf ihre Kosten. Und weil es so schön ist und die Ausstellung einem beim Besuch ab und an das Gefühl vermittelt, man würde einen Ausflug in den Bowie-Kosmos oder ins Weltall unternehmen, zum Schluß der Klassiker:

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