KOONSIVERSUM – BEST OF 2012

koons

Für mich war die beste Ausstellung, die ich in Frankfurt im Jahr 2012 gesehen habe, die als Doppelpräsentation angelegte Schau Jeff Koons – The Painter & The Sculptor, die von Juni bis September an zwei Ausstellungsorten zu sehen war. Die Schirn Ausstellungshalle widmete sich mit Jeff Koons – The Painter den Malereien des Künstlers, wohingegen im Liebighaus mit Jeff Koons – The Sculptor seine Skulpturen ausgestellt waren. Ich war mehrere Male in der Ausstellung, vor allem in dem Teil im Liebighaus gewesen, doch der Besch mit der twitter- und Bloggergemeinde beim meet up, tweet up, koons up war derjenige, der mir am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist. Dass Kunst und Ausstellungen im heutigen medialen Zeitalter auch durch Bloggen und Twittern erfahrbar gemacht werden kann und sollte, war hier einen ganzen Tag lang Thema, wurde aber auch durchaus kontrovers diskutiert. Besonders schön fasst dies der Beitrag Blog me up, Scotty von tinowa zusammen.

Nun aber ein persönlicher Ausstellungsbereicht entlang meiner Koons-Tweets:

1. SCHIRN: THE PAINTER

Die Galerie der Schirn präsentierte auf gesamter Länge die Malereien des Künstlers Koons. Es wurde absichtlich auf chronologische Hängung und auf eine entlang seiner Serien, wie beispielsweise „Celebration“ oder „Made in Heaven“, verzichtet.

So entstand ein Raumeindruck mit Sogwirkung, die einen förmlich ein poppig buntes „Koonsiversum“ hineingezogen hat. Ein Eindruck, dem man sich als Betrachter auch nicht entziehen können soll.

Um Wirkung und Wahrnehmung seiner Malereien zu verstärken, verraten allesamt in Duktus und Bildsprache die seit den 80er Jahren kultivierten Ideen Koons rund um Konsum und Körper, Kitsch und Kunst, Begehren und Begehrlichkeiten oder schlicht um die menschliche Sexualität in ihrer nackten Form.

Aber auch in der „handwerklichen“ Ausführung, im Großformat und der poppigen Farbigkeit wird hinter der Künstleridee, die am Anfang steht, auch die professionellen Ausführung der „Werkstatt“ deutlich. Somit sind die Malereien auch zugleich ein Zeichen von Fortschrittlichkeit. Der Modernitätsgedanke, dass hinter jedem zeitgenössischen Kunst-Megastar eine Maschinerie steht, die die Ideen des Künstlers in perfekter Harmonie umzusetzen weiß, drängt sich zudem auf. So gehen die Perfektion des Materials mit den zum Teil ironischen Grundideen ein kongeniales Intermezzo ein, das schließlich aber immer auf Koons zurück führt, als Nukleus seines eigenen Koonsiversums.

BEISPIEL: IT´S A CELEBRATION

Eines meiner Lieblingswerke von Koons ist das „Hanging Heart“ (1995-1998) aus der Serie „Celebration“: Ein Herz, verpackt in glänzendem Bonbon-Papier, als wahrstes aller Geschenke… wer wünscht sich das nicht. Zugleich ist das „Hanging Heart“, weswegen mir es wohl auch besonders gefällt, ein Bindeglied zu den dreidimensionalen Arbeiten des Künstlers, die ich noch beeindruckender finde. So gibt es neben den zweidimensionalen Version auch ein dreidimensionales Pendant aus Chrom und Edelstahl.

2. LIEBIGHAUS: THE SCULPTOR

Das Making of Art eines Koons zeigt sich meiner Meinung nach noch mehr als in seiner Malerei in seinen Skulpturen. Jeff Koons, der Bildhauer – das löste nicht nur nüchterne, aber durchaus kunsthistorisch versierten Ausstellunsgseindruck wie bei in der Schirn aus, sondern gleichwohl Gänsehaut. Allzu gerne wollte ich deswegen auch dem Mythos, mit der die Ausstellung warb, Glauben schenken. Koons selbst soll zum einen bei fast jedem seiner Besuche in Frankfurt das Liebighaus besuchen und ein wahrer Fan sein. Zum anderen soll er, der somit die dauernde Ausstellung des Hauses gut kennt und schätzt, gemeinsam mit dem Kurator die Positionen seiner Skulpturen in Korrespondenz mit den vorhandenen historischen Arbeiten aus 5000 Jahren ausgewählt haben. Das war das beeindruckendeste in seiner Skulpturenschau: Kaum eines der Exponate des Liebighaus, ob antik, mittelalterlich oder barock, musste weichen. Koons hat mit der Moderne nicht die Historie unterdrückt oder verdrängt, sondern ergänzt. Seine Ausstellung bringt dadurch die Unendlichkeit der Kunst und deren Verweischarakter über Epochengrenzen hinaus auf einen Punkt.

Jeef Koons zollte den „alten Meistern“ Respekt, indem er auf Dialog der eignen Arbeiten mit Vorhandenem und nicht den modernen Monolog setzt. Mal tritt die Farbe, mal die Materialität und dann wieder das Sujet der Koonsschen Werke in Korrespondenz mit den vorhandenen Skulpturen. Dennoch ist daraus nicht eine schwere und kunsttheoretische Schau geworden, die sich einem normalen Publikum verschließt, sondern vielmehr ein Dialog mit leichtem Augenzwinkern, der selbst wenn er sich nicht auf den ersten Blick erschließt, dennoch stets amüsant ist.

BEISPIEL: VENUS ODER EROS

Sowohl die „Metallic Venus“ (2010-2012) als auch „Ballon Venus (Magenta)“ (2008-2012) setzen die Liebesgöttin Venus oder Aphrodite in Szene. Zweiteres Werk verweist in seiner pinken Farbigkeit und aufgeblähter Ausführung der Geschlechtlichkeit sehr direkt auf die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. „Metallic Venus“ dagegen erscheint uns feiner und erinnert an Darstellungen aus der griechischen oder römischen Antike. Trotzdem geht es bei beiden um eines der wichtigsten Themen im Koonsiversum: Es geht um Eros, um Liebe und Verlangen, um Begierde und Sexualität. Auch hier unterstreicht die Materialität der Skulpturen die transportierte Idee. Es geht offensichtlich um Begehren, Pomp und Glanz, aber in einem zweiten Schritt auch um unser Verhältnis dazu, das uns in unserem verzerrten Spiegelbild in der Nacktheit der Figuren zurück geworfen wird.

BEISPIEL: KATZE, KITSCH ODER KUNST

„Cat on a Clothline“ (1994-2001) ebensfalls aus der „Celebration“-Serie wurde ganz in der Nähe einer Stautue der Göttin Sachmet aus dem 14. Jahrhundert aufgestellt. Hier ist der Dialog mit Raum und Ort besonders deutlich. Auf der einen Seite steht eine ägyptische Göttin mit einem Löwenkopf, die als böse Schwester zur Fruchtbarkeitsgöttin Bastet gilt und die Konflikte und Epedemien bringt. Auf der anderen Seite steht Koons Skulptur, ein obwohl überlebensgroß, dennoch eher süßes Kätzchen, die sich wie es scheint in einen blauen Socken zwischen bunten Blumen verirrt hat. Hier ist nichts von Raubkatze zu spüren, viel eher kitschig-bauäugige Süße, die allerdings in ihrer Überzeichnung den eingegangenen Dialog mit der bösen Ausführung braucht.

BESIPIEL: PINK IS PANTHER

Der „Pink Panther“ (1988) wurde von Koons genau in die Blickachse einer Ausführung von „Ariadne auf Panther“ (1803-14) von Dannecker positioniert. Die Position des Panthers wurde also umgekehrt – während eben noch die nackte Frau zukünftige Frau des Dionysos auf ihm ritt, schmiegt er sich hier in die Arme eine drallen Blondine und wird von dieser im wahrsten Sinne des Wortes „getragen“. Wie eine Stola hat die blonde Frau den aus Film und Fernsehen bekannten Pink Panther umgehängt, der einen ihrer Brüste bedeckt. Der Panther allerdings wirkt – obwohl in den Armen einer und mit Augen auf der anderen nackten Schönheit – nicht sehr glücklich. Ob ihm Inspktor Clouseau fehlt?

3. FAZIT

Dennoch sind die Arbeiten von Jeff Koons, vor allem die Skulpturen, tiefgründig ohne arrogant zu sein, spannend ohne schwermütig zu sein und kitschig ohne unerträglich zu sein. Somit kann man sagen, dass mit Jeff Koons – The Sculptor im Liebighaus ein großartiger Dialog gelungen ist. Die Kommunikation zwischen alt und neu oder zwischen Sonder- und Dauerausstellung ist geglückt und deswegen ist diese Ausstellung im Jahresrückblick 2012 mein persönlicher Favorit.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Ausstellungs-Blog-Parade 2012 des Historischen Museums Fankfurt.

4 Antworten zu “KOONSIVERSUM – BEST OF 2012

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