Drei mal drei hoch eins – 3 Museumsleute, 3 Ausstellungsbesuche, 1 Tag in Düsseldorf

Rheinufer Düsseldorf

Wer gerne in Ausstellungen oder ins Museum geht, kennt es genau: jeder hat sein eigenes Tempo Ausstellungen zu durchlaufen. Durchlaufen ist hierbei der richtige Sammelbegriff für alle Geschwindigkeiten, die zwischen durchgehen oder -schreiten bis -rennen liegen können. Basierend auf dieser Tatsache eignet sich der Ausstellungsbesuch dann doch eher für das Individuum allein denn für eine Gruppe. Alleine kann jeder für sich so viel oder wenig Zeit in der Ausstellung verbringen, wie er oder sie möchte. Dies soll hier jedoch keine objektive Analyse sein, warum die Zahl der Einzelbesucher_innen in Museen steigend ist, sondern eine ganz subjekte Wahrnehmung.

Nun machten wir uns also zu dritt, drei Museumsmenschen, auf an einem Tag drei Ausstellungen in Düsseldorf anzusehen – jeder der drei mit eigenem Tempo und unterschiedlicher Wahrnehmung. Da wir auch erst gegen 15 Uhr starteten, musste anhand der Öffnungszeiten sehr genau überlegt werden, wohin wir zuerst gehen, wann wir etwas essen und wann genau wir – schließlich ist man ja in Düsseldorf – noch ein kleines Altbier genießen können.

Um das auch voraus zu schicken: Fotos zu schießen war leider in keiner der Ausstellungen möglich, deswegen bemühe ich mich um Verlinkungen zu Artikeln im Netz, die dann entsprechend Bilder beinhalten.

Station 1 – GURSKY: KUNST ODER GRÖSSE

Erste Station des Düsseldorf-Trips war dann der Kunstpalast, in dem zur Zeit Werke von Andreas Gursky zu sehen sind. Ein sehr teuer gehandelter Künstler, bei dem sich viele fragen, ob seine Arbeiten wirklich Kunst sind. Der Computer und die Bildbearbeitung helfen die Fotografien zu dem zu machen, was sie sind, nämlich Montagen. So entspinnt sich die alte Diskussion über den Stellenwert des Künstlers. Das ist aber nicht das erste, was ich empfunden habe, als ich den Kunstpalast betreten habe. Ich war, wie ich das beim Anblick von Gurskys Arbeiten schon immer, überwältigt. Nachdem sich dieses Gefühl eingestellt hat, sind Fragen nach dem handwerklichen oder dem künstlerischen Schaffensprozess wie weggewischt. Viel eher fasziniert mich dann die Gewaltigkeit der Großformate im Gegensatz zu der Kleinteiligkeit des Abgebildeten. Gurskys Werke – da stehen die neueren den älteren in Nichts nach – haben dann auch immer zwei Effekte: zum einen die Weitsicht, in der die Leitfarbe des Bildes, bei der Schau vorwiegend blau, grau oder ganz bunt, auf die Besucher_innen einwirkt; zum anderen die Nahsicht, bei der man zu Recht von den aus Kinderbildern bekannten „Wimmelbildern“ spricht. Auf einer drei mal drei Meter großen Fotografie wird mit mikroskopischer Genauigkeit der einzelne Mensch oder Gegenstand „seziert“. Ist man erst näher an die Bilder heran getreten, steigen aus den Farben Formen auf und Gegenstände oder Menschen gewinnen Kontur. Vielleicht ist der Schaffensprozess der Bilder nicht unbedingt das, was in populären Kreisen im Vergleich zu einem mächtigen Ölbild als Kunst verstanden wird. Aber sicher ist Herr Gursky ein Künstler. Er inszeniert und interpretiert das Große wie das Kleine, die Gesellschaft und den Einzelnen. Die Ideen und im Motive seiner Werke sind sowohl mitreißend als auch effektvoll. Alle Infos auf der Seite des Kunstpalasts.

Station 2 – STADTMUSEUM DÜSSELDORF: VERGLEICH DER METROPOLEN

Das Stadtmuseum Düsseldorf ist etwas versteckt gelegen, hat man es aber dann erst gefunden, wird man zunächst dadurch überrascht, dass der Besuch der Dauerausstellung kostenlos ist. Die Sammlungspräsentation teilt sich in folgende Bereiche auf: Frühgeschichte, 900-1609, 1609-1794, 1795-1901, 1902-1945, 1946-heute. Leider ist die Sammlung an bestimmten Punkten schlecht ausgeleuchtet und die Beschriftungen könnte auch einmal eine Überarbeitung vertragen, dennoch flaniert man ganz gemütlich durch zwei Stockwerke Düsseldorfer Geschichte. Etwas spät, da eindeutige Hinweise fehlen, aber besser als nie, habe ich dann auch den Clou der Aufteilung der Ausstellung verstanden. Zu jeder Ära der Stadtgeschichte wird als Referenz eine andere Metropole der Welt benannt, die sich zu den Zeiten jeweils mit ähnlichen Entwicklungen konfrontiert sah – so zum Beispiel Wien, Florenz oder New York. Besonders faszinierend war für mich die Zeit der 20erJahre, in denen die Kunstwelt eine ihrer Zentren in Düsseldorf mit dem „Jungen Rheinland“ oder der „Rheingruppe“ fand.
Eine Sache hebt das Stadtmuseum vor allem in seiner Präsentation des 20. Jahrhunderts besonders hervor und das ist der Bezug zur Kindheit. Es sind chronologisch in die verschiedenen Episoden der Stadtgeschichte sowohl Kinderzeichnungen als auch Spielzeug integriert. So präsentiert das Stadtmuseum neben der eigentlichen (erwachsenen) Stadtgeschichte in den Vitrinen mit Spielzeug und den Schubladen mit Kinderzeichnungen noch eine parallele, zweite Ausstellung mit ganz anderer Wahrnehmung und Botschaft: Sie zeigt die Stadtgeschichte in „Kinderhand“. Aus diesem zusätzlichen Grund ist das Stadtmuseum Düsseldorf einen (oder mehrere) Besuche wert.

Station 3 – RANKIN: TANZ DER SCHÖNEN BIS MITTERNACHT

Als letzte Station ging es, weil freitags immer bis Mitternacht geöffnet ist, ins NRW Forum zu der Rankin Show Off. Und das ist eine wahre Show, ein buntes Potpourri von Fotografien, auf denen sich Models, Schauspieler_innen, Musiker_innen und Prominente vor Rankins Kamera inszenieren und inszenieren lassen. Ich finde es wunderbar, dass das Werbemotiv der Ausstellung ein Foto von Beth Ditto ist, eine ausdrucksstarke Frau und ebenso ausdruckstark in Szene gesetzt. Ansonsten sind viele Fotos der Stars und Sternchen nicht immer so tiefgründig: man sieht viel nackte Haut und ähnliche Posen – daran sieht man sich schnell satt. Wirklich interessant ist der Film über Rankin, in dem der Künstler im Interview seine Arbeiten bespricht und die Zuschauer_innen in seine Bildsprache einführt. Gut ergänzt wird der Einblick in Rankins Schaffen sind durch ältere Fotografien aus seinem Archiv. Auf diesen frühen Arbeiten stellt er sich selbst als Künstler und Fotograf vor die Kamera bzw. stellt sein Selbst der Kamera. Mein persönlicher Favorit ist aber definitiv der Myth-Zyklus, den Rankin zusammen mit Damien Hirst in 2011 umgesetzt hat. Besonders interessant sind diejenigen Arbeiten von „Myth, Monsters and Legends„, die hybride Inszenierung von Wesen, halb Mensch, halb Tier, zeigen und das (altbekannte) Spannungsfeld von Weiblichkeit und Monströsität thematisieren. Auch hier kann man schon alleine wegen der Arbeiten aus diesem Zyklus eine Empfehlung aussprechen.

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